Chronik

Man schrieb das Jahr 1845, als der Männergesangverein Liederkranz 1845 Deidesheim gegründet wurde, eine Zeit des Aufbegehrens und der Aufbruchstimmung der Bürger im Lande. Überall in der Region gründeten die Menschen Vereine – in der Hauptsache Sport- und Gesangvereine auch als sichtbares Zeichen der Befreiung und des Widerstandes gegen das Feudalsystem der Landesherren. Das große Verlangen der Bürger nach mehr Rechte und Freiheit belegte der rasch einsetzende, enorme Zuwachs an Mitgliedern, den diese Vereine verzeichnen konnten.

Nicht viel anders war es auch in Deidesheim, wo sich 40 Männer, davon 22 aktive Sänger unter dem 1. Vorstand und Dirigenten Karl Rohr zusammenschlossen, um den Männergesangverein Liederkranz ins Leben zu rufen.

Man achtete sehr streng auf die Einhaltung der Satzungen und setzte hohe Kriterien bei den Neueintritten an. Wöchentlich fanden zwei Singstunden statt, deren Teilnahme für alle Sänger Pflicht war. Aber trotz der strengen Satzung und der Erhebung eines Eintrittsgeldes und des jährlichen Beitrages verzeichnete der Verein einen starken Zuwachs. Das erste Konzert und die erste Fahnenweihe wurden schon im Jahr 1846 durchgeführt. 1856 konnte ein erstes Tafelklavier angeschafft und ein Jahr später die neue und bis heute immer noch erhaltene Vereinsfahne eingeweiht werden, nachdem die erste Fahne bei einem Einbruch teilweise zerstört wurde.

Programm fürs Jubiläum 1895 In den folgenden Jahren traten die politischen Komponenten im Vereinsleben mehr und mehr in den Hintergrund und machten Platz für die eigentlichen Ziele und Aufgaben des Gesangvereins, nämlich als Kulturträger von Deidesheim mit Aufführungen von Konzerten, Theaterstücken und sonstigen geselligen Veranstaltung.

Die runden Vereinsjubiläen wurden jeweils glanzvoll gefeiert.

Ebenso wird in den Protokollbüchern auch von zahlreichen, erlebnisreichen Ausflügen, Gemeinsamkeiten und Begegnungen mit anderen Gesangvereinen im In- und Ausland berichtet. So wurde unser Verein auch ein nicht zu verachtender Werbeträger für unser Heimatstädtchen und seinen bekannten und gern verkosteten Weinen.

Die Gesamtentwicklung des MGV verlief jedoch bei weitem nicht immer stetig nach oben. Große Rückschläge, ja sogar zeitweiliges totales Erliegen der Vereinstätigkeit brachten der deutsch-französische Krieg 1870/71 und die beiden Weltkriege. Viele Mitglieder und aktive Sänger kamen als Soldaten krank oder verwundet wieder nach Hause, manche auch gar nicht mehr. Große Verdienste muss man den jeweiligen Idealisten zugestehen, die den Verein in den Nachkriegsjahren unter teilweise sehr schwierigen Bedingungen wieder zum Aufblühen brachten.

Einen festen Platz in der jüngeren Vereinsgeschichte des MGV hat der Ehrendirigent und ehemalige Deidesheimer Kellermeister Bernhard Klug (1899-1990). Seine künstlerischen Fähigkeiten stellte er bei zahlreichen Veranstaltungen in Form von selbst getexteten und komponierten Liedbeiträgen und auch selbst geschaffenen Bühnenkulissen unter Beweis, die teilweise heute noch vorhandenen sind.

Das bedeutendste und heute noch regelmäßig aufgeführte Werk ist das von ihm verfasste Deidesheimer Lied, das ihn bei der hiesige Bevölkerung unsterblich machte.

Ein vorläufig letzter Höhepunkt in der Entwicklung des MGV war die Zeit um das Jahr 1970, als ca. 100 aktive Sänger auf der Bühne standen, dazu als Unterbau noch einen 35 Jungen zählender Knabenchor.

Der moderne Zeitgeist und der wohl bei den meisten Vereinen festzustellende schwindende Stellenwert lässt jedoch die Zahl der Mitglieder stetig schrumpfen. An diesem Trend konnte auch ein zwischenzeitlich gebildeter gemischter Chor nichts ändern.

Der Verein zählt heute 23 aktive Sänger, 120 passive Mitglieder und 30 Ehrenmitglieder.

Fahnenträger mit der Vereinsfahne aus dem Jahr 1857 Programm der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen des Liederkranzes Deidesheimer Lied mit Noten